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Kärntner Delegation zu Besuch bei MICROTEC in Venedig

Kärntner Pädagoginnen und Pädagogen lernten mit IV-Unterstützung das zur Springer-Gruppe gehörende oberitalienische High-Tech-Unternehmen kennen.

Mitte April reiste eine Gruppe von Lehrkräften aus verschiedenen Kärntner höheren Schulen und technischen Lehranstalten für eine eintägige Exkursion zur italienischen Firma MiCROTEC in den Venediger Stadtteil Mestre. Dieser im Rahmen der Fortbildungsangebote der Pädagogischen Hochschule abgewickelte Betriebsbesuch wurde von HTL-Wolfsberg-Professor Johann Millonig und IV-Bildungsexperten Wolfgang Pucher organisiert. Mehr als zwanzig interessierte Lehrerinnen und Lehrer aus sieben verschiedenen Schulen nutzen den Tag, um einen detaillierten Blick hinter die Kulissen des High-Tech-Unternehmens zu bekommen und praxisnahe, unterrichtsrelevante Informationen über Produkte und Lösungen des Weltmarktführers MiCROTEC zu sammeln.

Alles begann in Südtirol

Der Stammsitz des Unternehmens liegt in Brixen, wo es 1980 vom heute noch als Gesellschafter beteiligten Unternehmensleiter Federico Giudiceandrea gegründet wurde. Die Kärntner Springer-Gruppe, spezialisiert auf die Produktion von Sägewerksanlagen, ist mit 70% Mehrheitseigentümer. Durch eine innovative Produktentwicklung und eine geschickte Akquisitionsstrategie ist das Unternehmen heute Weltmarktführer als Technologiepartner für die holzverarbeitende Industrie. MiCROTEC hat Gesellschaften und Niederlassungen in sechs Ländern und bietet ihre Lösungen global an. Mit den Gerätschaften und Softwarelösungen von MiCROTEC werden mittels Laser, Röntgenstrahlung und hochpräzisen anderen Kameratechnologien Sägewerke befähigt, eine massive Verbesserung der Qualität und Materialausbeute zu erreichen und die eigenen Produktionsprozesse und die Wertschöpfung deutlich zu optimieren. Sogar statische Eigenschaften der Komponenten für den späteren Einsatz wie beispielsweise im Holzbau können genau festgehalten werden. In der Sägeindustrie sind diese Technologien heute nicht mehr wegzudenken, einerseits, um die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten und andererseits, um den wertvollen Rohstoff Holz bestmöglich zu nutzen. Damit wird zur Nachhaltigkeit beigetragen und der Ressourcenverschwendung Einhalt geboten.

James Bond lässt grüßen – Fiktion wird Realität

GoldenEye – im Film handelt es sich um eine durch elektromagnetische Impulse zerstörerische Weltraumwaffe. Bei MiCROTEC ist GoldenEye der Multi-Sensor-Scanner für Holzkomponenten. In holzverarbeitenden Betrieben wird dieser eingesetzt, um die Qualität genauestens zu kontrollieren und für optimale Weiterverarbeitung der Bretter zu sorgen. Dabei gibt es kein Detail an den gescannten Holzkomponenten, die der Scanner nicht erkennen würde – und das bei atemberaubendem Tempo. Jeder Millimeter wird genau erfasst, obwohl die Bretter mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 km/h den Scanner passieren. Bei der Analyse der unglaublich großen Datenmengen, die währenddessen gesammelt werden, hilft Künstliche Intelligenz. Die Softwarelösungen, mithilfe deren Analysen dem Produktionsbetrieb die besten Prozessentscheidungen für die Ver- und Weiterbearbeitung des Holzes vorgeschlagen werden, setzen schon gegenwärtig stark auf Maschinelles Lernen und Big-Data-Analytics. Die an vielen Stellen im Produktionsprozess platzierte Sensoranlagen werden zudem vernetzt, um aus den gewonnenen Daten noch größeren Mehrwert zu ziehen. Außerdem hat die Firma eine Lösung entwickelt, mit welcher jedes Stück Holz, beginnend vom Rundholzstamm bis zum endbearbeiteten Brett durch einen eindeutigen Fingerprint der Holzstruktur identifiziert wird. Völlige Nachvollziehbarkeit der Herkunft und Bearbeitungsschritte im Sägewerk werden möglich, ohne jemals händisch oder maschinell Komponenten etikettieren zu müssen. Die papierlose Fabrik mit Zero-Waste-Anspruch wird Realität.

Forschung und Entwicklung führte vom Holz zu Lebensmitteln

Mauro Cossi, Forschungsingenieur bei MiCROTEC erklärte den neugierigen Besucherinnen und Besuchern, dass das Unternehmen in den letzten Jahren beachtlich gewachsen sei. Allein am Standort in Mestre habe sich der Personalstand in den letzten zwanzig Jahren verzehnfacht. Im Gesamtunternehmen werden mehr als 350 hochqualifizierte Expertinnen und Experten beschäftigt. Viele davon widmen sich der Forschung und Entwicklung, 15% des Jahresumsatzes reinvestiere man in diesem Sektor, so Cossi. Um den Fachkräftenachwuchs, gerade im Bereich der IT-Techniker, Elektrotechniker, Programmierer und Datenanalysten decken zu können, pflege man langjährige Kooperationen mit Hochschulen, wie jener in Padua. Dennoch wird es immer schwieriger, lokale Fachkräfte zu rekrutieren. Eine Feststellung, die auch viele innovative und erfolgreiche Industriebetriebe in Kärnten bestätigen.

Cossi vergleicht die Produkte und Lösungen von MiCROTEC schließlich sogar mit der Medizin. Dort werden 3D-bildgebende Computertomographen schon lange eingesetzt – mit MiCROTEC hält diese Technologie nun auch weltweit in der Holzindustrie Einzug. Bevor die Delegationsteilnehmenden noch den firmeneigenen Showroom im nahegelegenen Noale mit den Demonstrationsanlagen kennenlernen konnten, überraschte das Unternehmen mit einem weiteren Geschäftszweig: Beinahe alle Technologien, Softwarelösungen und Datenanalyse-Tools werden unter dem Markennamen BIOMETiC weltweit auch für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie verkauft. Dies erfolgt allerdings mit gewissen Anpassungen, damit die Scanner faule von hochwertigen Früchten unterscheiden (Äpfel, Orangen, Zitronen, etc.) oder bei der Ernte vollautomatisiert sortieren helfen oder Fremdkörper in Verpackungsgebinden (z.B. Glassplitter in Marmeladegläsern) erkennen können.

Die Firmenexkursion wurde mit einem typisch italienischen Abendessen und angeregten Gesprächen über das Erlebte abgerundet.

Wolfgang Pucher
15.4.2023